Pädagogikunterricht – ein notwendiges Teilprojekt der Moderne


Pädagogik gehört neben Recht, Politik und Wirtschaft zu den vier großen gesellschaftlichen Praxisfeldern. Deshalb darf pädagogische Bildung im gesellschaftswissenschaftlichen Angebot der Schule nicht fehlen.

HEILAND hat den Pädagogikunterricht als notwendiges Teilprojekt der Moderne begründet. Mit VON HENTIG argumentiert er, dass „Pädagogik als die Lehre von den Bedingungen, unter den menschliches Verhalten beeinflusst werden kann, [...] zur Grundausstattung aller Menschen für das verantwortliche Leben in dieser Zivilisation“ gehört. Unter den Zwängen der Postmoderne können hochindustrielle Gesellschaften nur dann überlebensfähig und integrierbar bleiben sollen, wenn biographische Konstruktion nicht dem Zufällig-individuellen überlassen wird, wenn dem jugendlichen „Existenzbastler“ Hilfen gegeben werden, um seine Wahlbiographie zu gewinnen.“

Die postmodernen Entflechtungs- und Entritualisierungstendenzen stellen Schüler/innen vor die Aufgabe, „eigenes Leben“ (BECK) zu gewinnen angesichts der vielfältigen, riskanten Freiheiten. Hier kann  Pädagogikunterricht fachspezifische Angebote machen, die keinem Schüler vorenthalten werden dürfen.

BEYER ist deshalb zuzustimmen: „Unsere Gesellschaft benötigt dringend einen in allen Schulen der Sekundarstufe I obligatorischen Pädagogikunterricht, in dem pädagogische Kompetenz vermittelt wird,  weil dem Anrecht eines jeden Menschen auf die optimale Entfaltung seiner Persönlichkeit ohne eine möglichst qualifizierte Erziehungspraxis nicht Rechnung getragen wird.“

 

Pädagogikunterricht vermittelt notwendige, allgemein bildende Inhalte, weil die Erziehungsaufgabe als gesellschaftliche Grundaufgabe im 21. Jahrhundert nicht mehr ohne pädagogisches Fachwissen zu bewältigen ist. Dass nicht nur professionelle Erzieher und Angehörige dienstleistender Berufsgruppen ein Anrecht auf pädagogische Grundbildung haben, sondern auch künftige Väter und Mütter, hat seine Begründung in  der kulturtragenden Bedeutung paideutischer Allgemeinbildung, denn Pädagogikunterricht schafft Humankompetenz. Persönlichkeitsfördernde personale und soziale Kompetenzen werden in einer medienorientierten Dienstleistungsgesellschaft in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen (Berufswelt, Familie, Freizeit, Ehrenamt, etc.) zwingend gefordert.

Pädagogikunterricht leistet das in vorbildlicher Weise, was die Kultusminister aller Länder zur Konstante guten Unterrichts gemacht haben:

 

Den Schülerinnen und Schülern

  1. Hilfen anzubieten zur ihrer persönlichen Entfaltung in sozialer Verantwortlichkeit und
  2. Anleitung zur deren wissenschaftspropädeutischer Ausbildung zu geben.

 

Deshalb unsere Forderung:

Pädagogikunterricht muss zur Pflicht in allen Schulformen des deutschen Schulwesens werden, denn paideutische Bildung ist Allgemeinbildung.

 

 

 

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Warum Unterricht im Fach „Pädagogik“ in der Schule unverzichtbar ist
von Dr. Christoph Storck
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