Zum diesjährigen Abitur im Leistungskurs Pädagogik: Kritik und Forderungen des VdP

Den Verband der Pädagogiklehrer*innen e.V. (VdP) hat in den letzten Tagen viele Beschwerden von Kolleginnen und Kollegen erreicht. Kritisiert werden die Prüfungsaufgaben im diesjährigen Zentralabitur. Dies sind die eingegangenen Kritikpunkte:


- Alle vorgeschlagenen Themen stammen aus dem Bereich der Frühpädagogik bzw. der frühkindlichen Bildung. Entsprechend kann de facto von einer echten Auswahl keine Rede sein, da andere Themenbereiche (Just Community-Konzept, Erziehung im Jugendalter, Bildung und Beruf, Funktionen von Schule etc.) keine Rolle spielen. 

- Hinzu kommt, dass es eine Dopplung bei den anzubringenden Referenztheorien gibt: So ist eine Theorie der kognitiven Entwicklung in HT 1 und 2 und Schäfers Bildungsverständnis und seine Ausführungen zum kindlichen Spiel in HT 2 und 3 gefordert. Auch diese Engfüh-rung trägt dazu bei, dass von einer echten (d.h. sinnstiftenden) Auswahlmöglichkeit nicht die Rede sein kann und ein enorm großer Teil der obligatorischen Inhalte und Fokussierun-gen gar keine Anwendung findet. 

- Dies führt auch dazu, dass die Schülerinnen und Schüler bei der Auswahl unter den 3 Aufgaben Schwierigkeiten haben, sich innerhalb der zur Verfügung stehenden 30 Minuten zu orientieren. Das kann dazu führen, dass die Bedeutung der Texte, die die Basis der Prüfungsaufgaben bilden, noch weiter sinkt.

- Es kann nicht sein, dass im HT1 (Teilaufgabe 2) das Belegen von Ausführungen mit einer Referenztheorie, also das Aufzeigen von Parallelen, mit 6 und 8 Punkten [insgesamt 14 Punk-te] ausgewiesen wird, das In-Beziehung-Setzen zu einer Referenztheorie, also die Auseinandersetzung mit Parallelen und Unterschieden (das Erarbeiten von Parallelen und Unter-schieden) jedoch nur mit 4 und 6 Punkten [insgesamt 10 Punkte]. Eine bessere, jedoch immer noch nicht angemessene Punktvergabe würde bedeuten, dass alle 4 möglichen Zusatzpunkte für diese 2 Teilschritte vergeben werden müssten, um wenigstens eine identi-sche maximale Punktzahl zu haben.

 

 

Angemessen wäre ein Tausch: 4 und 6 Punkte für die erste Referenztheorie und 6 und 8 für die zweite.


Die Engführung der vorgegebenen Themen in den Prüfungsaufgaben und das Verhindern von Wahlmöglichkeiten führen dazu, dass der bereits vorhandene Druck auf die Schüler/innen und die Lehrer/innen noch verstärkt wird. Sie müssen sich durch die (vom VdP immer wieder kritisierte) Überfülle von vorgegebenen Inhalten des Kernlehrplans arbeiten. In den Prüfungsaufgaben wird dann aber nur ein Themenbereich berücksichtigt: Frühpädagogik. Dieses nicht angekündigte Abweichen von der seit 2007 praktizierten Variation an inhaltlichen Bereichen irritiert, verunsichert und demotiviert.

 

Der VdP stellt fest:

 

Ein solches Vorgehen bedroht die Attraktivität unseres Faches bei den Schülerinnen und Schülern.

 

Die mit der Korrektur befassten Lehrerinnen und Lehrer sollten die Spielräume nutzen, die die Vorgaben zur Korrektur der Prüfungsarbeiten bieten, um Nachteile für die Schülerinnen und Schüler zu verhindern, die sich aus den eingeschränkten Wahlmöglichkeiten ergeben.

 

Der VdP fordert:

 

Die Behörde möge bei der Erstellung der Prüfungsaufgaben zurückkehren zu der seit 2007 praktizierten Vorgehensweise des Angebots einer breiten Thematik, um den Schüler/innen echte Wahlmöglichkeiten zu geben!

Der VdP sucht in diesem Sinne mit den zuständigen Stellen weiterhin das Gespräch.

Meinungen / Forderungen / Kritik an:

geschaeftsstelle@vdp.org